Erste Ergebnisse aus der neuen Pulsbefragungsreihe Insider Insights von OCLC, die aktuelle Entscheidungen im Bibliothekswesen sichtbar macht
Die Bibliotheksleitungen müssen den Wandel in einem immer schneller werdenden Tempo bewältigen. Entscheidungen über Technologie, Personal, Finanzierung und Bedürfnisse der Gemeinschaft werden schneller und komplexer getroffen als je zuvor.
Um besser zu verstehen, wie diese aktuellen Entscheidungen getroffen werden, hat OCLC Research eine neue Reihe von Kurzbefragungen gestartet, die sich auf die Prioritäten der Bibliotheksleitung konzentrieren. Diese kurzen Umfragen sollen erfassen, wie Führungskräfte auf neu auftretende Herausforderungen reagieren, und ergänzen damit die eingehenden Untersuchungen, die seit langem die strategische und operative Planung in diesem Bereich unterstützen.
Unser erster Überblick konzentriert sich auf KI in Bibliotheken.
Das haben uns die Führungskräfte mitgeteilt.
Der Einsatz von KI nimmt zu, wird aber noch nicht einheitlich gestaltet
Künstliche Intelligenz ist für viele Bibliotheksleitungen bereits Teil der Bibliotheksarbeit, die Verbreitung variiert jedoch stark.
In dieser Umfrage unter 698 Direktor*innen akademischer und öffentlicher Bibliotheken in den gesamten Vereinigten Staaten:
Häufigkeit der KI-Nutzung
Täglich 24 %
Gelegentlich 40 %
Selten oder gar nicht 36 %
Ein genauerer Blick
Die Streuung hinter diesen Durchschnittswerten ist frappierend. Unter den ARL-Forschungsbibliotheken nutzen 67 % der Direktor*innen täglich KI. Am anderen Ende des Spektrums geben nur 14 % der Direktor*innen kleiner öffentlicher Bibliotheken an, KI täglich zu nutzen – und 26 % nutzen sie überhaupt nicht. Große Bibliotheken, ob wissenschaftliche oder öffentliche, verhalten sich einander ähnlicher als kleine Bibliotheken desselben Typs. Die Größe der Institution beeinflusst die KI-Einführung ebenso stark wie der Bibliothekstyp.
Den einen richtigen Weg gibt es nicht. Bibliotheken haben unterschiedliche Ausgangsbedingungen – geprägt von ihren Kapazitäten, Prioritäten und den Bedürfnissen ihres jeweiligen Umfelds.
„Den einen richtigen Weg gibt es nicht.“ Bibliotheken haben unterschiedliche Ausgangsbedingungen.“
Die Leitungen wägen Chancen und Bedenken ab
Die KI wird nicht nur mir Optimismus betrachtet.
Nur 13 % der Befragten sehen dem Einsatz von KI in ihrer Bibliothek eher mit Begeisterung als mit Sorge entgegen. Die meisten beschreiben ihre Sichtweise als gemischt:
Begeisterung vs. Sorge in Bezug auf KI
Mehr erfreut als besorgt (13 %)
Gleichermaßen erfreut und besorgt:39 %
Eher besorgt als erfreut (33 %)
Noch unsicher (15 %)
Ein genauerer Blick
Die Stimmungslage ändert sich maßgeblich je nach Bibliothekstyp und -größe. Die ARL-Bibliotheken sind das optimistischste Segment in diesem Bereich – 39 % sind eher begeistert als besorgt, und niemand gibt an, eher besorgt als zuversichtlich zu sein. Kleine öffentliche Bibliotheken befinden sich am anderen Extrem: 40 % sind eher besorgt als erfreut, und 21 % sind sich noch unsicher. Diese Unterschiede lassen vermuten, dass Gespräche über KI je nach Größe, Ressourcen und Erfahrungsstand einer Bibliothek unterschiedlich aufgenommen werden. Dieses Gleichgewicht prägt die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden. Bibliotheksleitungen prüfen, welche Möglichkeiten KI bietet, wo sie sinnvoll eingesetzt werden kann und was für einen verantwortungsvollen Umgang nötig ist.
Der praktische Nutzen treibt die frühe Nutzung an
Für viele Bibliotheken wird KI unter praktischen Gesichtspunkten bewertet.
Die am häufigsten genannten Vorteile sind Steigerung der Effizienz und Zeitersparnis. Auch wenn bessere Suchmöglichkeiten und ein leichterer Zugang wichtig bleiben, setzen die meisten Bibliotheksleitungen KI zunächst zur Unterstützung interner Abläufe ein.
Vertrauen ist das entscheidende Thema
Auf dem gesamten Gebiet sticht Vertrauen als zentrales Anliegen hervor.
Dreißig Prozent der Befragten nennen Datenschutz, Voreingenommenheit oder ethische Risiken als ihre größte Sorge im Zusammenhang mit dem Einsatz von KI. Die Leitungen öffentlicher Bibliotheken weisen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als Wissenschaftliche Leitungen auf einen möglichen Missbrauch durch externe Akteure hin.
Diese Bedenken prägen die Art und Weise, wie Explorationen ablaufen. Ein verantwortungsvoller Umgang ist keineswegs zweitrangig Es ist grundlegend.
„Ein verantwortungsvoller Umgang ist keineswegs zweitrangige Überlegung.“ Dies ist ein grundlegender Aspekt.“
Die Politik hinkt noch hinterher
Die Anwendung nimmt zwar zu, formale Richtlinien werden aber erst noch entwickelt.
Lediglich 7 % der Befragten geben an, klare Vorgaben und Erwartungen im Hinblick auf den Einsatz von KI innerhalb ihrer Organisation zu formulieren. Viele Bibliotheken sind noch dabei, festzulegen, wie Governance und gemeinsame Normen aussehen sollten.
„Viele Bibliotheken sind noch dabei, zu definieren, wie ihre Governance aussehen sollte.“
Ein genauerer Blick
Die Governance-Lücke ist in kleineren Bibliotheken am größten. Mehr als die Hälfte der Direktor*innen kleiner öffentlicher Bibliotheken (54 %) geben an, dass KI in ihrer Einrichtung noch nie strukturiert diskutiert wurde – im Vergleich zu 33 % der Direktor*innen mittelgroßer öffentlicher Bibliotheken, 21 % der Direktor*innen großer öffentlicher Bibliotheken und 0 % der ARL-Bibliotheken. Die politische Herausforderung ist nicht einheitlich: Gerade die Bibliotheken, die über die geringsten Ressourcen zum Aufbau von Governance-Rahmen verfügen, sind diejenigen, bei denen die Diskussion noch gar nicht begonnen hat.
Gleichzeitig gibt es starke kulturelle Signale:
- 87 % stimmen zu, dass sie ethische Risiken bei KI-bezogenen Entscheidungen aktiv berücksichtigen
- 72 % stimmen zu, dass Mitarbeitende Bedenken oder abweichende Meinungen offen äußern können
Insgesamt zeigen diese Ergebnisse, dass viele Bibliotheken bereits eine gute Grundlage haben, auf der sie ihre Richtlinien weiterentwickeln können.
Die Leitungen konzentrieren sich auf das, was als Nächstes kommt
Mit Blick auf die Zukunft verweisen die Befragten auf mehrere gemeinsame Herausforderungen für die nächsten zwei bis drei Jahre:
- KI-Kompetenz und verantwortungsvoller Umgang
- Ethische, datenschutzrechtliche und ökologische Auswirkungen
- Mit dem rasanten Wandel Schritt halten
- Widerstand, Angst und Zustimmung
- Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Ergebnisse
Diese Bedenken sind keine Einzelfälle. Sie spiegeln das umfassendere Bestreben wider, Innovation und Verantwortung in einem schnelllebigen Umfeld in Einklang zu bringen.
Was uns diese Momentaufnahme verrät
Diese erste Pulsbefragung bietet einen klaren Überblick darüber, wo sich das Feld aktuell befindet.
Die Einführung von KI ist im Gange, aber noch nicht einheitlich gestaltet. Die Führungskräfte begegnen dieser Frage mit einer Mischung aus Neugier und Vorsicht. Bei den ersten Schritten mit KI stehen konkrete Anwendungsmöglichkeiten im Vordergrund. Vertrauen und ein verantwortungsvoller Einsatz bleiben dabei zentrale Entscheidungskriterien.
Ebenso wichtig ist, dass die Ergebnisse verdeutlichen, wie Bibliotheksleitungen den Wandel im Allgemeinen gestalten: überlegt, mit großem Augenmerk auf ethische Grundsätze und offenem Dialog.
Ein genauerer Blick
Ein Muster zeigt sich in der gesamten Studie: Art und Größe der Bibliothek prägen das KI-Erlebnis auf unterschiedliche Weise.
Typen beeinflussen oft die Kultur, unter anderem die Art und Weise, wie Experimente ablaufen und wie Gespräche beginnen. Die Größe bestimmt häufiger die Kapazität, einschließlich der Frage, ob Bibliotheken über die Zeit, das Personal oder die Ressourcen verfügen, um die Governance zu formalisieren und Initiativen voranzutreiben.
Kleine öffentliche Bibliotheken stehen vor beiden Herausforderungen gleichzeitig. Daher kann der Weg zu einer verantwortungsvollen KI-Einführung für diese Institutionen ganz anders aussehen als für größere Bibliotheken mit mehr Ressourcen und engagiertem Personal.
Eine neue Art des Zuhörens
Diese Momentaufnahme ist Teil eines umfassenderen Vorhabens, besser zu verstehen, wie Bibliotheksleitungen den Wandel in Echtzeit bewältigen.
Die Pulsbefragungsreihe von OCLC ergänzt langjährige Forschung durch aktuelle und hochkarätige Perspektiven aus dem gesamten Fachgebiet. Zusammen liefern diese Ansätze fundierte und aktuelle Einblicke. So wird nicht nur sichtbar, was Bibliotheksleitungen planen, sondern auch, was sie bereits heute tun.
Zukünftige Umfragen werden weiterhin verfolgen, wie sich Prioritäten verschieben und wie sich Entscheidungen entwickeln.
Methodik
Diese E-Mail-Umfrage wurde zwischen dem 3. und 12. März 2026 an 5.670 Direktor*innen von akademischen und öffentlichen Bibliotheken aller Größen in den Vereinigten Staaten versandt. Von 698 Direktor*innen wurden ausgefüllte Fragebögen zurückgesandt, was einer Rücklaufquote von 16 % bei öffentlichen Bibliotheken und 9 % bei akademischen und Forschungsbibliotheken entspricht. Die Gesamtergebnisse weisen eine Fehlermarge von +/- 3 % bei einem Konfidenzniveau von 95 % auf.
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