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Wie Ihre Bibliothek von Linked Data profitieren wird

John Chapman /

Im Januar 2020 gab OCLC bekannt, dass uns die Andrew W. Mellon Foundation Fördermittel für den Aufbau einer Shared Entity Management Structure bewilligt hat, mit der Bibliotheken bei der Entwicklung neuer Methoden zur Schaffung und gemeinsamen Nutzung von Informationen zu ihren Beständen unterstützt werden sollen. Mit diesen neuen Methoden — allgemein als "Linked Data" bezeichnet — gehen Änderungen an den zugrunde liegenden Bibliotheksdaten als auch an der Art der von Bibliotheksmitarbeitern ausgeführten Tätigkeiten einher.

Doch noch mehr als diese Änderungen signalisieren sie einen Wandel in der Art und Weise, wie die Bibliotheks-Community zusammenarbeiten kann, um auf der Arbeit der anderen aufzubauen. Ich glaube, dass Sie und Ihre Nutzer von diesem Projekt profitieren werden, ganz gleich, welcher Art von Bibliothek Sie angehören.

Ein halbjährlicher Statusbericht

In einem  kürzlich veröffentlichten Beitrag sprachen wir über Project Passage, das Einblicke in einige neue Schnittstellen und Systeme für Bibliothekare zur Erstellung von Linked Data bot. Aber das ist nicht alles gewesen. Wir haben die Teilnehmer gefragt, was große Datenanbieter wie OCLC tun müssten, damit diese Systeme wirklich funktionieren.

Da OCLCs Aktivitäten in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eng mit der Idee der Verbundkatalogisierung verknüpft sind, dachte ich, dass wir alle sechs Monate eine Art Statusbericht zur Verwendung dieser neuen Fördermittel geben und den Zeitpunkt dafür nutzen, um über unsere Arbeit hier für Sie und Ihre Bibliothek zu sprechen. Nach erfolgter Operationalisierung bietet Linked Data den teilnehmenden Bibliotheken:

  • Einen umfangreichen Bestand an Erschließungsinformationen und Identifikatoren für Werke, Personen und andere Dinge, auf die Bibliotheken verweisen müssen
  • Die Möglichkeit, diese Erschließung zu verbessern oder etwas, was im Bestand fehlt, hinzuzufügen
  • Ein Ökosystem (einschließlich einer abgespeckten Benutzerschnittstelle und APIs), das Bibliotheksmitarbeitern ermöglicht, Linked Data nativ zu erstellen, statt durch Konvertierung aus den MARC-Datensätzen
  • Werkzeuge zum Abgleich lokaler Bibliotheksmetadaten mit denen des Ökosystems sowie zur Verknüpfung von Bibliotheksmetadaten mit nicht-bibliothekarischen Quellen

Außerdem wird das Web mit Identifiern angereichert, die für Bibliotheksnutzer und Bibliotheksmitarbeiter gleichermaßen sinnvoll sind. Wir werden Daten zu vielen Millionen von Werken und dazugehörigen Personen erstellen und veröffentlichen und damit entscheidende Links für die Erschließung und Recherche unserer Bestände bereitstellen. Mit dem Verweis auf diese Werke und Personen durch Nutzung konsistenter Identifier ist es möglich, dass Anwendungen zwischen unterschiedlichen oder diffusen Beständen Verbindungen herstellen.

Ein zügiger Beginn

Nachdem wir Ende Dezember von der bevorstehenden Fördermittelvergabe gehört haben, haben wir ein Technikteam zusammengestellt und uns an die Arbeit gemacht. Als die Ankündigung am 9. Januar veröffentlicht wurde, hatte dieses Kernteam bereits die technischen Werkzeuge und Umgebungen eingerichtet, um mit der Entwicklung zu beginnen. Da OCLC einen beträchtlichen Betrag zu diesem Projekt in Form von Mitarbeiterarbeitszeit und Geld beiträgt – im Wesentlichen entspricht dieser Beitrag dem der Fördermittel von Mellon – können wir die Arbeit in viele andere bestehende Prozesse integrieren.

Unser Team befasst sich mit allen oben genannten Punkten während des Förderzeitraums, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf der Bereitstellung verlinkter Metadaten „zum Zeitpunkt des Bedarfs“ im Erstellungsprozess liegt. Durch schnellere Suchvorgänge und die Verkürzung der Zeit für Normierungsarbeit wird das Projekt die Aufnahme der Uniform Resource Identifiers (URIs) für die Linked Data bei allen Arten von Metadaten vereinfachen und beschleunigen.

Das bedeutet, dass Sie, unabhängig von der Art Ihrer Metadatenarbeit (traditionelle MARC-basierte Katalogisierung, eine Mischung aus Dublin Core und lokalen Begriffen in Ihrem digitalen Repository oder Ihrer BIBFRAME-Vollversion) in der Lage sein werden, diese Identifier zu verwenden. Und wenn andere Bibliotheken damit beginnen, sie zu nutzen, wird die Bereitstellung von Kontext und zusätzlichen Inhalten für Ihre Benutzer einfacher denn je.

Teamarbeit

Angesichts der Projektdauer – es handelt sich um ein zweijähriges Förderprogramm, das im Dezember 2021 abgeschlossen sein muss – wussten wir, dass wir die Kommunikation mit den Bibliotheken aufrechterhalten müssen. Linked Data entwickelt sich rasch weiter und wir wollen sicherstellen, dass wir am Ende des Projekts die Erwartungen erfüllen und den Bereich vorantreiben.

Im Juni haben sich weitere Bibliotheken unserer Entity Management-Beratungsgruppe angeschlossen. Hier finden primär die Gespräche über das Projekt statt. Fünfundzwanzig Bibliotheken aus sieben Ländern nehmen derzeit an Online-Diskussionen und monatlichen Treffen teil. Bisher waren die Themen APIs, UX-Forschung und Datenmodellierung.

Wir haben unsere Partnerschaft mit dem ebenfalls von Mellon finanzierten Projekt Linked Data for Production (LD4P) und mit dem Program for Cooperative Cataloging (PCC) fortgesetzt und intensiviert, die Linked Data und „Identity Management”-Konzepte zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Strategie gemacht haben.

Um den Bedürfnissen der Bibliotheksmitarbeiter besser gerecht zu werden, haben die Mitarbeiter von User Experience Research bei OCLC auch gezielt Interviews mit Dutzenden von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren geführt, um herauszufinden, welche Herausforderungen und Bedenken es bei der Arbeit mit diesen neuen Konzepten in realen Arbeitsabläufen gibt.

Ein erster Meilenstein ... und weitere werden folgen

Es gibt andere Arten von Input, der nur von Nutzern geleistet werden kann, die sich die Daten und Datentools ansehen und sie aktiv nutzen. Zu diesem Zweck haben wir kürzlich einer ausgewählten Gruppe von Bibliotheken aus der Beratergruppe einen ersten Einblick in unsere Arbeit gewährt. Diese Tests sind die ersten von drei vorläufigen Checkpoints vor der endgültigen, offiziellen Freigabe im Dezember 2021. Bibliotheken werden in der Lage sein, Daten von mehr als einer Million Werke und Personen, die mit deren Entstehung und Inhalt in Verbindung stehen, zu überprüfen. Sie werden auch eine einfache Benutzerschnittstelle und eine Reihe von APIs nutzen können.

Diese Tests beziehen sich zwar auf einen sehr frühen, begrenzten Satz von Funktionen, an dessen Erweiterung wir bereits arbeiten, aber sie sind ein wichtiger Schritt für dieses entscheidende Projekt.

Linked Data stellt eine Möglichkeit dar, den Nutzen von Bibliotheksmetadaten für die in der Bibliothek arbeitenden Kollegen und Kolleginnen und für unsere Nutzer entscheidend zu erhöhen. Linked Data verbessert ebenfalls unsere Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit externen Organisationen, die unsere Arbeit schätzen und die über für uns effizient nutzbare Daten verfügen. Dieser wichtige Meilenstein zur Operationalisierung von Linked Data und der Schaffung einer gemeinsamen Infrastruktur für die Community ist eine äußerst spannende Angelegenheit für OCLC, die daran beteiligten Bibliotheken und Partnerorganisationen wie der Mellon Foundation. Ich freue mich, Ihnen im Laufe dieses Jahres mehr Informationen über das Projekt mitteilen zu können.

Einen Blick auf die jüngsten Entwicklungen finden Sie in der Aufzeichnung unseres Web-Seminars vom 29. Juli 2020 „OCLC and Linked Data: Moving from research to reality.“ An der Veranstaltung nahmen Referenten von OCLC und der Temple University teil, die über das CONTENTdm Linked Data-Projekt und das Shared Entity Management Infrastructure-Projekt sprachen.