Was verbindet Strickleidenschaft mit WorldCat ?
Ute Horak-Mayr, Stadtbücherei Augsburg
Bibliothekarinnen sind „griesgrämige alte Jugfern mit Dutt” — dieses Vorurteil ist zwar schon lange überholt, geistert aber noch in nicht wenigen Köpfen umher. Wenn eine Bibliothekarin als Hobby dann auch noch Handarbeiten angibt, dann ist sowieso alles klar… Inwieweit sich dieses Hobby heutzutage mit einem ganz modernen Dienst von OCLC verknüpfen lässt, wurde mir vor kurzem vor Augen geführt. „Ravelry” ist eine sehr aktive Community im Internet, deren mittlerweile über 155.000 Mitglieder ein gemeinsames Hobby pflegen: nämlich Stricken und Häkeln. Dass man diese Leidenschaft nicht nur allein daheim auf dem Sofa ausübt, machen die Mengen von Strickblogs im Netz deutlich. Zur Zusammenführung der Informationen, die jede einzelne Strickerin über die Jahre gesammelt hat, wurde 2007 die Community gegründet. Dabei geht es nicht nur um Klatsch und Tratsch und Kaffeekränzchen, sondern ganz konkret um Datenbanken zu Designern, Materialien und Anleitungen. Zahllose Groups finden sich dort zum Meinungsaustausch zusammen, wie z.B. die „RaveLibrarians; For library workers of all types who love to craft”, mit 1.181 Mitgliedern aus der ganzen Welt. Und wenn ich mal nicht weiß, was ich aus meinem Wollvorrat arbeiten kann, finde ich per Mausklick Dutzende von Treffern, was Susy A. aus Minnesota oder Linda B. aus Kapstadt gerade aus der Wolle herstellen, die ich auch gelagert habe. Wird dabei eine Anleitung aus einem Buch nachgearbeitet, das ich nun aber leider nicht mein eigen nenne, genügt ein kleiner Klick auf den Button: „search your local libraries” und die Nutzerin (oder der Nutzer —es gibt auch Männer bei ravelry!) landet im WorldCat! Mit den genauen Infos, in welcher Bibliothek das gewünschte Strickbuch zu finden ist. Dass in meinem Fall leider allzu oft nur die Angabe „US Army, European Reg Library, Heidelberg” auftaucht, liegt leider daran, dass a) die Strickbücher überwiegend aus Amerika stammen und b) in WorldCat leider noch nicht so viele deutsche Bibliotheken zu finden sind, wie wünschenswert — aber das ist ja noch ausbaufähig und nur eine Frage der Zeit. Immerhin lassen sich so Hobby und Beruf(ung) miteinander verbinden. Und übrigens, wer mich in ravelry besuchen will, sucht dort einfach nach „Nordilinga”.

